Singapur plant Stablecoin-Lizenz mit 100-Prozent-Reserven
Die Monetary Authority of Singapore (MAS), die Zentralbank und Finanzaufsicht des Stadtstaates, schlägt Änderungen am Payment Services Act aus dem Jahr 2019 vor. Ziel ist die Einführung eines separaten Lizenzsystems für Stablecoin-Emittenten. Nur lizenzierte Anbieter dürfen ihre Token künftig als „MAS-regulated stablecoin” bezeichnen. Die öffentliche Konsultation läuft vom 1. September bis zum 16. Oktober 2026.
Das Wichtigste in Kürze:
- Die MAS führt eine separate Lizenz für Stablecoin-Emittenten ein, mit einer 100-prozentigen Reservedeckung als Voraussetzung.
- Emittenten dürfen keine Zinsen oder andere Vorteile an Inhaber von Stablecoins ausschütten.
- Vierteljährliche Stresstests sowie die Möglichkeit, Token einzufrieren oder zu vernichten, werden zur Pflicht.
Volle Reservedeckung und keine Zinsen für Inhaber
Laut dem Konsultationsdokument der MAS müssen lizenzierte Emittenten jederzeit mindestens 100 Prozent des ausstehenden Wertes als Reserven vorhalten. Zudem gelten strenge Fristen, innerhalb derer Inhaber ihre Stablecoins zurücktauschen können müssen.
Ein auffälliger Bestandteil des Vorschlags ist das Verbot, Zinsen oder andere finanzielle Vorteile an Inhaber auszuschütten. Das unterscheidet Stablecoins deutlich von Sparprodukten und anderen zinstragenden Instrumenten. Die Maßnahme knüpft an eine breitere Diskussion über die möglichen Risiken von Stablecoins für das Bankensystem an.
Stresstests und Befugnis, Token einzufrieren
Die MAS schlägt außerdem vor, dass Emittenten vierteljährlich Stresstests durchführen, um ihre finanzielle Widerstandsfähigkeit nachzuweisen. Darüber hinaus müssen sie technisch in der Lage sein, Token zu verfolgen, einzufrieren oder dauerhaft aus dem Verkehr zu ziehen, wenn diese mit kriminellen Aktivitäten in Verbindung gebracht werden.
Für Stablecoins, die als systemrelevant eingestuft werden und die Regeln nicht einhalten, kann die MAS die Zirkulation einschränken. Das kann sogar bis zur verpflichtenden Entfernung von Handelsplattformen führen, die unter den Payment Services Act fallen.
Singapur verfolgt die internationale Regulierung aufmerksam
Die Vorschläge bauen auf einer ersten Konsultationsrunde auf, die die MAS im Oktober 2022 durchführte. Seitdem sind Stablecoins international stark gewachsen, auch durch die Aufmerksamkeit großer Emittenten. So erklärte der Chef von Tether kürzlich, dass Stablecoins die US-Staatsverschuldung stabiler machen könnten.
Singapur ist nicht das einzige Land, das sich um die Regulierung von Stablecoins bemüht. Auch Vietnam setzt ab September neue Krypto-Regeln durch, wobei es dort bislang keine lizenzierten Anbieter gibt. Stellungnahmen zum Singapurer Vorschlag können bis zum 16. Oktober 2026 eingereicht werden.
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