Coinbase-Chef: Krypto-Regulierung kommt sowieso
Coinbase-CEO Brian Armstrong rechnet damit, dass die US-Kryptobranche nach dem 15. September mehr regulatorische Klarheit erhält, unabhängig davon, ob der CLARITY Act den Senat passiert. Das Gesetz, das die Befugnisse der SEC und der CFTC über digitale Vermögenswerte festlegen soll, wird breit getragen: von Krypto-Unternehmen, Aufsichtsbehörden und Banken. Die erforderlichen 60 Stimmen bleiben jedoch die größte Hürde.
Auf den Punkt:
- Armstrong sagt, der CLARITY Act stehe kurz vor ausreichender Unterstützung im Senat, doch auch ohne das Gesetz schreite die Regulierung durch SEC und CFTC voran.
- Die entscheidende Senatsabstimmung ist für den 15. September angesetzt, wobei 60 Stimmen nötig sind und die Unterstützung der Demokraten unverzichtbar ist.
- Grayscale-Forschungsleiter Zach Pandl verweist auf regulatorische Fortschritte, die bereits in Bereichen wie Stablecoins, Tokenisierung und Perpetual Futures im Gange sind.
Senatsabstimmung am 15. September als Wendepunkt
Der CLARITY Act ist ein überparteiliches Gesetz, das einen umfassenden Regulierungsrahmen für den US-Kryptomarkt schaffen soll. Am 15. September ist eine Verfahrensabstimmung angesetzt: eine sogenannte Cloture Vote, bei der 60 Senatoren zustimmen müssen, um die Debatte im Senat zu eröffnen. Da die Republikaner derzeit 53 Sitze haben, ist die Unterstützung der Demokraten notwendig.
Armstrong sagte in der CNBC-Sendung Squawk Box Asia, die Gespräche, die er führe, stimmten ihn zuversichtlich. Die wichtigste offene Frage drehe sich um ethische Bestimmungen im Gesetz. Der demokratische Senator Ruben Gallego aus Arizona sagte vergangenen Monat beim Wyoming Blockchain Symposium, 60 Stimmen seien machbar, wenn die ethischen Regelungen gut ausgearbeitet würden. Laut CNBC sagte Armstrong, auf diesem Punkt sei bereits eine Lösung in greifbarer Nähe.
Sollte das Gesetz doch nicht durchkommen, sieht Armstrong darin keine Katastrophe. “Wenn es nicht angenommen wird, ist das auch ein gutes Ergebnis, denn SEC und CFTC haben signalisiert, dass sie bereit sind, Regeln zu veröffentlichen”, sagte er. Regulatorische Klarheit entstehe dann auf diesem Weg.
Regulierung kommt auch ohne neues Gesetz voran
Zach Pandl, Forschungsleiter bei Grayscale, teilt diese Einschätzung. Seiner Ansicht nach wird das regulatorische Umfeld für Krypto bereits klarer, selbst ohne den CLARITY Act. Er verweist auf den GENIUS Act, der bereits einen bundesweiten Rahmen für Zahlungs-Stablecoins geschaffen hat, sowie auf Vorschläge der SEC zur Tokenausgabe und zur Tokenisierung von Wertpapieren. Die CFTC hat zudem regulierte US-Wege für Perpetual Futures über Plattformen wie Kalshi und Coinbase eröffnet.
Pandl betont allerdings, dass nur der Kongress eine dauerhafte und vollständige Aufgabenverteilung zwischen SEC und CFTC festlegen kann. Das Ausbleiben des CLARITY Act würde den breiteren regulatorischen Fortschritt jedoch nicht stoppen.
Armstrong bezeichnete eine mögliche Verabschiedung des Gesetzes als “regulatorisches Häkchen”, das institutionelles Kapital anziehen und den Weg für Produkte wie tokenisierte Aktien in den USA ebnen könne. Prediction Markets schätzen die Wahrscheinlichkeit eines tatsächlichen Inkrafttretens im Jahr 2026 derzeit als gering ein, wegen politischer Differenzen und einer vollen Gesetzgebungsagenda.
Coinbase selbst unter Druck
Unterdessen steht Coinbase als Unternehmen vor eigenen Herausforderungen. Der Umsatz sank im zweiten Quartal auf $1,2 Milliarden, gegenüber $1,5 Milliarden ein Jahr zuvor. Der Nettoverlust betrug $359,5 Millionen, während das Unternehmen ein Jahr zuvor noch $1,43 Milliarden Gewinn verbuchte. Es war das dritte Quartal in Folge, in dem Coinbase die Erwartungen der Analysten verfehlte.
Armstrong führt einen Teil der enttäuschenden Ergebnisse auf den zurückgegangenen Krypto-Handel zurück, der nach seinen Angaben im vergangenen Jahr niedriger lag. Etwa die Hälfte des Umsatzes stammt aus Handelsaktivitäten. Das Unternehmen arbeitet an der Diversifizierung, unter anderem über Stablecoins, institutionelle Verwahrung und eine Ausweitung auf Märkte wie Aktien und Währungen. Die Coinbase-Aktie liegt in diesem Jahr mehr als 22% im Minus.
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